"FÜR EUCH" VON IRIS SAYRAM URAUFFÜHRUNG
„FÜR EUCH“ SCHAUSPIEL NACH DEM ROMAN VON IRIS SAYRAM URAUFFÜHRUNG
7 Wochen.
In den vergangenen sieben Wochen entstand im Rahmen der Theaterproduktion „FÜR EUCH“ am Staatstheater Augsburg eine vielschichtige künstlerische Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Fotografie, Video, Text, Archivarbeit und performativer Dramaturgie.
Ausgangspunkt der Arbeit war der Roman von Iris Sayram „FÜR EUCH“ und die Frage, wie Erinnerung, Familie, soziale Herkunft und strukturelle Gewalt auf der Bühne sichtbar gemacht werden können, ohne sie auf eine lineare Erzählung oder eine „von oben herab“ Perspektive zu reduzieren.
Die visuelle und konzeptionelle Arbeit bewegte sich dabei bewusst zwischen dokumentarischer Praxis und performativer Setzung. Fotografien, Videoarchive, gefilmte Gesten, Textfragmente und Objekte wurden nicht als bloße Illustrationen des Stücks verstanden, sondern als eigenständige Ebenen innerhalb der Inszenierung. Im Zentrum stand das „Archiv der Hände“, eine Sammlung filmischer Gesten und alltäglicher Bewegungen der Familie: Hände beim Putzen, Schreiben, Zigarettendrehen, Geldzählen, Essenreichen oder Eincremen. Diese Aufnahmen fungieren weniger als private Erinnerungsbilder, sondern vielmehr als körperliche Speicher sozialer Realität. Der Körper wird dabei zum Archiv von Klasse, Care-Arbeit, Migrationserfahrung, Erschöpfung und Nähe.
Splitscreens, Loops, verlangsamte Bewegungen, Wiederholungen, Rückwärtsläufe und eingefrorene Bilder erzeugen Momente der Irritation und Unterbrechung. Die Zuschauer*innen sollen nicht in einer abgeschlossenen Illusion versinken, sondern immer wieder auf die gesellschaftlichen Bedingungen hinter den Bildern zurückgeworfen werden. Erinnerung erscheint dadurch nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als strukturierter und politischer Raum.
Neben der Entwicklung der Video- und Bilddramaturgie entstand ein Monobloc-Chair der mit „Reklametexten“ beschrieben wurde. Die Texte verhandeln Themen wie Kapitalismus, Care-Arbeit, Klassismus, Rassismus, Migration, Polizeigewalt, Faschismus, Überleben und strukturelle Ungleichheit. Formal greifen sie auf Verdichtung, Wiederholung und Brechung zurück und bewegen sich zwischen poetischem Fragment, politischem Slogan und Verfremdungseffekt. Beschriftet, überlagert und politisiert fungiert der Stuhl somit nicht nur als Objekt, sondern als sozialer Körper innerhalb des Bühnenraums.
Auch fotografische Arbeiten und installative Elemente wurden in die Inszenierung integriert: Familienbilder in Essiggläsern, eingearbeitete Archivaufnahmen und fragile Erinnerungsfragmente, die zwischen Verlust und Sichtbarkeit oszillieren. Zentral war dabei immer wieder die Frage: Wer darf erinnern? Wer wird sichtbar? Und welche Geschichten gelten überhaupt als erzählbar?
Die Arbeit versteht Fotografie und Video nicht als neutrale Dokumentation, sondern als aktive Eingriffe in Wirklichkeit. Jede Aufnahme ist Auswahl, Rahmung und Konstruktion. Die Kamera dokumentiert nicht nur, sie positioniert. Dadurch verschiebt sich die Grenze zwischen Beobachtung und Beteiligung, zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, zwischen ZeugInnenschaft und Inszenierung. Die Arbeiten verstehen sich nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als offenes Archiv, fragmentarisch, widersprüchlich und in permanenter Bewegung.
Heute Premiere.
Inszenierung Nicole Schneiderbauer
Bühne & Kostüme Miriam Busch
Video Natalie Stanczak
Dramaturgie Sabeth Braun
Iris Elif Esmen
Mimi Ute Fiedler
Mustafa Mehdi Salim
Tommy, Fr. Leibold, Fr. Nütten, Hr. Findeisen, Platschka u.a. Jannis Roth
Alle mitwirkenden Künstler*innen, die im Bühnenraum ausstellen, sind hier zu sehen.
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„Für euch“
SCHAUSPIEL NACH DEM ROMAN VON IRIS SAYRAM
URAUFFÜHRUNG
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