Kristallisierte Wahrheit: Eine Anti-Anti-Mythologisierung der polnischen Geschichte
Kristallisierte Wahrheit: Eine Anti-Anti-Mythologisierung der polnischen Geschichte
„Kristallisierte Wahrheit“ ist eine installative und performative Arbeit über Erinnerung, Überwachung und die Fragilität von Wahrheit. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Geschichte weiterlebt, nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als körperliche Einschreibung, Bildstörung, Wiederholung und Blick.
Die Arbeit bewegt sich zwischen familiärer Erinnerung, migrantischer Erfahrung und politischer Gewalt. Dabei wird Erinnerung nicht als etwas Privates oder Authentisches verstanden. Erinnerungen entstehen nie isoliert; sie sind durchzogen von gesellschaftlichen Blicken, Machtverhältnissen und Erzählungen anderer. Die Geschichte der Eltern, die eigene Herkunft, nationale Narrative und kulturelle Zuschreibungen schreiben sich in den Körper ein und formen die Art, wie erinnert wird.
Aus diesem Gedanken heraus entsteht das Motiv der Überwachung. Nicht nur im technischen Sinn, sondern als gesellschaftlicher Zustand: Erinnerung selbst ist überwacht. Sie wird beobachtet, geordnet, interpretiert und kontrolliert. Gleichzeitig bleibt sie instabil und veränderbar. Zwischen Wahrheit und Mythos eröffnet sich ein Raum, in dem Geschichte immer wieder neu erzählt werden kann.
„Erst töte ich Dich und dann mach ich Dich zum Kult.“
Die Ausstellung verbindet RISO-Drucke, Videoprojektionen, Klang, Text und Performance zu einem fragmentierten Erinnerungsraum. Die Fotografien zeigen angeblitzte Selbstporträts: Körper, die im Moment der Sichtbarkeit zurückweichen. Der Blitz hinterlässt Nachbilder auf der Netzhaut und wird zum Sinnbild einer gewaltsamen Sichtbarmachung, zwischen Dokumentation, Kontrolle und Selbstentzug.
Weitere Arbeiten untersuchen kulturelle Zuschreibungen und stereotype Bilder osteuropäischer Identitätskonstruktion. Der Körper erscheint dabei gleichzeitig als Projektionsfläche und Widerstandsmoment. Fotografien, Sprache und Bewegung destabilisieren jede eindeutige Lesbarkeit.
Im Zentrum der Ausstellung stehen eine szenische Lesung, Tanz und folkloristische Klänge. Stimmen und Körper treten auf, widersprechen sich, überlagern sich und entziehen sich einer eindeutigen Zuordnung. Die Arbeit verweigert bewusst die Vorstellung einer „Single Story“. Statt einer klaren Identität entsteht ein vielstimmiger Raum aus Fragmenten, Brüchen und Perspektivwechseln.
Das Publikum bewegt sich dabei zwischen Verstehen und Nicht-Verstehen. Gerade in diesem Moment der Unsicherheit liegt der Kern der Arbeit: Wahrheit erscheint nicht als abgeschlossen oder vollkommen sichtbar, sondern als etwas Brüchiges, Kristallisiertes, gleichzeitig materiell und fragil.
„Kristallisierte Wahrheit“ ist keine dokumentarische Rekonstruktion. Die Arbeit versteht sich vielmehr als Hommage an die zertrümmerte Wahrheit oder die Wahrheit in Trümmern.
„In welche Richtung bin ich gefahren, als ich auf dem Weg nach Deutschland war?“
Dies ist keine Ausstellung. Kein Schauraum. Kein Abbild. Kein Gleichnis. Es ist eine Hommage an die Wahrheit. Nicht mehr und nicht weniger.
Teilnehmende Künstler*innen:
Charlotte Kraus (Leiterin Freie Kunst Akademie Augsburg), Natalie Stanczak (Fotografie), Melinka Parra Karrer (Texte), Agatha Heinold (Musik/Klang), Franziska Seefried (Tanz)
Ort der Ausstellung:
Freie Kunstakademie
Bei St. Ursula 12
Platz für 30 Personen
Uhrzeit:
20.06.2026 Im Rahmen der Langen Kunstnacht
19.30-22.00 Uhr Ausstellung
20.15 Uhr Performance (20 Minuten)
Freier Eintritt!
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