Man hat Konzepte verlangt. Wir haben Chaos geboren.
Schicht & Wahnsinn
„Schicht & Wahnsinn“ ist ein fotografisch-literarisches Projekt, das sich mit dem Zerfall von Wahrheit, Ordnung und Identität in einer übercodierten Gegenwart beschäftigt. Es verwendet das Bild der „Schicht“ als Metapher für gesellschaftliche, mediale und persönliche Konstruktionen, die sich gegenseitig überlagern, auflösen und neu zusammensetzen. Der Text arbeitet mit Fragmentierung, performativer Sprache und poetischer Kritik, um die inneren und äußeren Widersprüche eines Systems zu zeigen, das Konzepte verlangt, aber Chaos erzeugt. Dabei wird der individuelle Ausdruck zum kollektiven Aufschrei gegen starre Strukturen – ein Versuch, durch das Geständnis der Verwirrung neue Möglichkeiten der Wahrnehmung zu eröffnen.
Diese Auseinandersetzung wird auf visueller Ebene durch mehrere fotografische Serien ergänzt, die analoge Aufnahmen von urbanem Verfall und fragmentierter Naturlandschaften mit inszenierten Theaterfotografien verbindet. Die Konfrontation von realen Landschaften mit inszenierter Bewegung schafft eine Bildsprache zwischen Zerfall und Form, zwischen Realität und Darstellung. Allen Fotografien wurde die Farbe entzogen – eine visuelle Entleerung, ein Entzug, der zur inhaltlichen Auflösung passt und den Fokus auf Struktur, Geste und Fragment lenkt.
So entsteht ein mehrdimensionales Werk zwischen Text und Bild, zwischen dokumentarischer Beobachtung und künstlerischer Inszenierung – eine visuelle und sprachliche Analyse unserer gegenwärtigen Schichtungen und Verschiebungen.
Fotografie: Natalie Stanczak
Texte: Melinka Karrer
Models: Staatstheater Augsburg
Wählen Sie eine Schicht.
– Schicht frisst Schicht, frisst Schicht – löst auf.
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Wir legen Schichten übereinander in der Hoffnung unsere Blicke treffen sich. Nie.
Zieh sie ab: Die Perfektion.
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Wir legen Schichten übereinander in der Hoffnung unsere Blicke treffen sich in der Zukunft, die materiell nicht existiert.
Erst hast Du es zerrissen, dann ein anderes hinzugefügt, als wären es Fragmente Deiner Ratlosigkeit. Du hast sie dann in die Hand genommen, zwischen Zeigefinger und Daumen in die Welt geräumt. Deine Ohnmacht, im Körper dieser Bilder, die Du erst zerissen und dann gegen die Wand geklebt hast.
Ich habe heute verstanden an wie vielen Orten Du nicht sein wirst.
Entstellte Körper in glaubhafter Poser. Du drängst Dich auf. Legst das Geständnis ab. Ich habe die Wahrheit gebogen.
Aufrichtigkeit, halte mich am Leben.
Man sagte uns:___. Wir haben dann angefangen zu graben. Blickrichtung gewechselt. Linien beklagt. Man hatte uns dann die Wahrheit versprochen. Schicht für Schicht habt ihr unseren Glauben begraben. Wir haben dann angefangen, die Lüge zu lieben. Blickrichtung dreht sich ein. Blick sich selbst. Haltlos wird die Welt. Also suchen wir Linien, an der wir uns erdrosseln können. Man sagte uns: ___. Wir haben dann angefangen zu graben.
Du zeichnest Dir Linien auf Deine Haut. Schwarze Kreide, Blick verloren.
Du hast. Dem Augenblick. Die Zukunft geraubt.
Danke.
Also legen wir das Geständnis ab.
Also drehen wir alles um.
Also verändere die Zeit und niemals den Raum.
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Unterhaltungskunst sucht Konzept. Muss Schema besitzen, weniger besitzen als haben, d. h. in sich hinein sperren. Dann ziehst Du mir den Arm aus meiner Brust heraus. Wir tanzen. Wir tanzen. Du suchst ein Konzept. Das Kollektiv hat die Ordnung der Dinge verkannt.
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Deine Projektion. Mein Körper. Am Ende waren wir nichts, außer das Fantasma Deiner Imagination.
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Es hätte dann um das Schema gehen sollen. Um die Sehnsucht nach Ordnung, um das Ziehen der Linien, das Schreiben ohne Begriff.
Man hätte die Wahrheit verfassen können.
Man hätte die ______ Wahrheit sagen können.
Wir haben dann angefangen die Schichten abzudecken. Von der Untersten bis zur Letzten, die wie ein niemals endender Turm, grundlos weiterführte. Also haben wir aufgehört die Schichten anzufassen und angefangen, das Recht anzugreifen. Es liegt nicht an uns. Nicht an unserem Wahnsinn unserer Vielschichtigkeit. Nicht an unseren niemals endenden Türmen. Es häufen sich vielmehr die Gründe, gegen die Strukturen aufzubegehren. D a s i s t a l l e s.
Erst hatte man gedacht, es wären die schwarzen Katzen, die nachts von rechts lang links die Straßen kreuzten. Dann hat man angefangen den Spuk gegen die Vernunft auszutauschen. Jetzt liegt sie brach; die Ordnung der Dinge.
Man hätte einen Referenzwert gebraucht, gab es aber nicht.
Die Katzen kreuzen keine Straßen mehr und die Vernunft ist umgeschlagen in Kontrollsysteme.
Man hätte die Katze einfach nicht von rechts nach links gehen lassen sollen.
Man hat Konzepte verlangt. Wir haben Chaos geboren.
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